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Das Archiv als Heimat : Die ‚Fantasie Afrika’ des Kunstpatrons Ulli Beier und der Künstlerin Georgina Beier
In der vorliegenden Arbeit habe ich anhand von Bildannäherungen an zehn Fotografien aus dem Archiv des Kunstpatrons und Kunstsammlers Ulli Beier und seiner Frau, der Künstlerin Georgina Beier, die Suche und Verwirklichung dieses Paares nach einer Heimat, ihrer ‚Fantasie Afrika’, untersucht und aufgezeigt, wie sehr dieses Archiv hierbei als Projektionsfläche und Referenz diente, diesen Ort physisch und psychisch zu konkretisieren. Die Suche der Beiers verbindet ein nostalgischer Rückblick auf ein präkoloniales Afrika mit der aktiven Gestaltung einer ‚modernen’ künstlerischen Realität. Die in ihrem Archiv über die Jahre gewachsene, individuell konstruierte Heimat gab ihnen die Möglichkeit, diese auch an andere Orte ‚mitzunehmen’, dort erneut umzusetzen und somit zu ‚konservieren’. U. und G. Beier kamen 1950 und 1959 nach Nigeria zu einer Zeit, in der der Kulturpessimismus des 20. Jahrhunderts im Westen die Frage nach alternativen Lebensformen aufwarf. Afrika als Projektionsfläche für Fantasien und Sehnsüchte war deshalb auch für europäische Kunstpatroninnen und Kunstpatrone der Moderne eine reizvolle Möglichkeit, diese Sehnsüchte zu verwirklichen. Die Zeit, in der U. Beier und G. Beier als Kunstpatron und Kunstpatronin wirkten, war von den Unabhängigkeitsbestrebungen afrikanischer Staaten geprägt. Ihre Art von Kunstpatronage war also ein Zeitphänomen, die damals in verschiedenen Ländern Afrikas in ähnlicher Form ebenfalls von westlichen Einwanderern betrieben wurde. Diese kamen unter anderem auch deshalb nach Afrika – die Wahl des Landes erfolgte oft zufällig oder hatte koloniale Hintergründe –, um eine neue Heimat zu suchen, in der sie sich selbst neu erfinden und die sie (mit)gestalten konnten. Sie waren Kunstliebhaber, Architekten, Künstlerinnen und Künstler, Kunstlehrerinnen und Kunstlehrer, die unter anderem die in ihren Augen rigide akademische Kunstszene in Europa ablehnten. Sie reisten in verschiedene Länder Afrikas, wobei die Wahl des Landes oft zufällig erfolgte oder koloniale Hintergründe hatte, um eine neue Heimat zu finden, in der sie sich selbst neu erfinden und die sie (mit)gestalten konnten. Sie machten sich besonders durch ihre formelle und informelle Kunstvermittlung einen Namen und beteiligten sich aktiv am Aufbau kultureller Szenen in ihrer Wahlheimat. Ihre aktive Gestaltung vor Ort war geprägt von einem nostalgischen Blick auf ein in Europa konstruiertes Afrika und die Sehnsucht nach einem vom Westen unbeeinflussten Ort, der ihnen die Hoffnung gab, sich aus einem Nachkriegseuropa lösen und sich in einer ihnen fremden Umgebung neu positionieren zu können. Oft ging ein solcher Umzug mit einem Heimatverlust einher, der sie zwang, in den ihnen fremden Ländern eine neue Heimat mit all ihrer Vertrautheit und Sicherheit aufzubauen. Heimat als Ort der Zugehörigkeit und Vertrautheit ist eine geistige Zuordnung zu einer bestimmten Umwelt, die sich in einem sozialen Umfeld individuell äußert (Egger 2014) und ein Idealzustand, nach dessen Verwirklichung wir streben, der aber als utopischer Entwurf bestehen bleibt (Bloch 1977). Heimat kann sich, basierend auf dem Gefühl der Zugehörigkeit, aus Erinnerungen speisen, selbst wenn der Ort als physische Realität nicht mehr vorhanden ist (Bausinger 1990). Viele dieser Kunstpatrone hinterließen Archive, die als rhizomatische Anordnungen von Bildern verstanden werden können. Das gilt auch für die Beiers, die im Laufe der Jahre ein umfangreiches Archiv angelegt haben, das heute zumindest in Teilen der Öffentlichkeit zugänglich ist. Dieses Archiv umfasst materielle und mentale Bilder aus verschiedenen Ländern. Einige der materiellen Bilder sind bis heute im Privatbesitz geblieben, während der größte Teil öffentlich auf der Website der Universität Bayreuth zugänglich ist. Die Originale befinden sich seit 2020 in Osogbo bei dem CBCIU (Center of Black Culture and International Understanding). Topographischer Schwerpunkt ist Nigeria, genauer gesagt Oshogbo, der Ort, an dem vor allem Ulli Beier lange Zeit lebte. Das Archiv sowie meine Annäherungen an einige ausgewählte Bilder daraus belegen die Suche der Beiers nach einer Heimat, machen deutlich dass auch die Beiers ein codiertes Bild von Afrika hatten und zeigen, wie sehr dieses Bild – eine Mischung aus Realität und Fantasie, Selbstinszenierung und Nostalgie – mit der eigenen Person verbunden war. Sie wollten u. a. traditionale Bilder vor Ort bewahren andererseits aber auch eine neue Bildsprache fördern. Besonders in Workshops trafen sich Gruppen von akademisch ungeschulten Personen und kulturelle Außenseiter, z. B. Künstlerinnen oder Künstler aus Europa, um eine Zeit lang zusammenzuarbeiten und eigene Formen der Kommunikation zu entwickeln. Die Forderung nach aktiver Aneignung des kulturellen Umfelds ging einher mit der Suche nach einer Heimat, die sie vor Ort zu verwirklichen hofften. Ihre Suche glich in ihren Augen der Suche der lokalen Bevölkerung nach einer postkolonialen Identität und schien somit mit dieser einen schicksalhaften Verbund zu stiften. Der spezifische Zeitgeist und die Aneignung der Umgebung durch aktive Gestaltung führten bei den Beiers dazu, dass sie Nigeria, vor allem Oshogbo, als ihre Heimat betrachteten und besonders im Nachhinein, so in späteren Publikationen und Biographien, die oft in enger Zusammenarbeit mit ihnen geschrieben wurden, ihre schicksalhafte Verbundenheit mit dem Land und den Gemeinschaften vor Ort konstruierten. Hier entwickelten sie zudem Konzepte und Ideen, wie das des ‚modernen Künstlers’, die sie später auch an anderen Orten zu verwirklichen suchten. Meine Bildannäherungen zeigen aber nicht nur die Heimatsuche der Beiers, ihr Ankommen in der neuen Heimat, und ihr Bestreben die eigene Rolle und Bedeutung für sich und die Nachwelt festzuhalten, sondern auch ihre Codierungen – sich stetig ändernde Regeln und Zeichen, in und mit denen sich ein Mensch bewegt. Auch die aktive Gestaltung der Beier vor Ort war zunächst von einem nostalgischen Afrikabild geprägt und von der Sehnsucht geleitet, einen vom Westen unbeeinflussten Ort zu finden. Ich spreche von einer ,Fantasie Afrika’, die sich im Laufe der Zeit veränderte, einem schöpferischen Akt, der kreativ und zukunftsorientiert war und die in der Realität und im eigenen Bewusstsein verankert war. U. und G. Beier kamen mit einer codierten Wahrnehmung nach Nigeria, die besonders bei U. Beier geprägt war durch Diskurse in Europa (z. B. der Negritude). Einem Scheitern an ihrem Bild von Afrika begegneten sie, indem sie ihr Umfeld aktiv nach ihren eigenen Vorstellungen gestalteten. Dies geschah natürlich in Zusammenarbeit mit ganz unterschiedlichen menschlichen und nicht-menschlichen Akteuren, die wiederum ihre ‚Fantasie Afrika’ und damit ihre Codierungen maßgeblich beeinflussten und veränderten. Ausgangs- und Bezugspunkt meiner Arbeit war das Bild in seiner unterschiedlichen Materialität. Die damit verbundenen medialen Eigenschaften bestimmen, wie sich Material und Subjekt zueinander verhalten; diese sind für meine Bildannäherungen von zentraler Bedeutung. Ich habe den Begriff ‚Annäherung’ verwendet, da ich dadurch den Prozess verdeutlichen will, den ich während meiner Beschäftigung mit den Bildern durchlaufen habe, nämlich das Wahrnehmen der Bilder auf unterschiedlichen Ebenen, das näher Hinschauen, das Anfassen und auch das wieder Weglegen. Durch mein eigenes Arbeiten mit Bildern habe ich zudem die klassische Ikonologie erweitert, also die Beschreibung und Analyse eines Bildes mit dem Ziel, das Bild allumfassend zu begreifen. Das Archiv, und somit auch das Archiv der Beiers, ist eine Verdichtung von materiellen und mentalen Bildproduktionen, die sich rhizomatisch und je nach Wahrnehmung anders anordnen. Ihm liegen Codierungen zugrunde, die eine Wissens(an)ordnung rekonstruiert und fragmentarisch Geschichte wiedergibt. In einem Rhizom, eine nicht-hierarchische Form von Wissensanordnung, in der Verbindungen jederzeit aufgenommen und unterbrochen werden können, bilden sich Plateaus, also Verdichtungen von Codierungen, wie z. B. das Beier-Archiv und meine ausgewählten Bilder. Verschiebungen der Verbindungen, also das Auflösen von Plateaus, finden nebeneinander statt, Bilder verschwinden nicht, sondern existieren nebeneinander in einer anderen Anordnung, die sich jederzeit wieder ändern kann. Ich bin vor allem an den Codierungen der Beiers, an der Sichtbarkeit ihrer Diskurse und an dem emotionalen Unterbau ihres Archivs interessiert und versuche dies anhand von Fotografien, deren Auswahl wiederum meine eigenen Codierungen offenlegen, aufzuzeigen. Trotz meiner weitgefassten Bilddefinition habe ich mich auf Fotografien im Archiv beschränkt, die den codierten und fragmentarischen Blick von U. Beier, als Fotograf (G. Beier fotografierte nicht) wiedergeben. Die Fotografie als ‚Beweismittel’ der eigenen Existenz, der vermeintlich objektiven Dokumentation erscheint hier fotobiografisch. Zusammen mit Texten, Filmen, Dokumenten und weiteren Bildern im Archiv erzählen sie eine Lebensgeschichte, die im Falle der Beiers in weiten Teilen und vor allen Dingen im Nachhinein inszeniert wurde, die jedoch auch Einblicke geben, in eine weniger kontrollierte Heimatsuche und damit einer Suche nach einer Identität. In meinen Bildannäherungen erweitere ich die klassische Ikonologie und versuche, die Fotografien allumfassend, mit allen Sinnen wahrzunehmen. Dazu war es nicht nur notwendig das Archiv zu sichten, um die Bilder in einen Kontext einzuordnen, sondern auch Gespräche, Interviews und Bildbesprechungen mit G. Beier, mit Zeitgenossinnen und Zeitgenossen der Beiers sowie mit Kolleginnen und Kollegen zu führen. Dabei war oft das Material, also der Papierabzug, als haptisches und visuelles Erlebnis wichtig, denn es löste bei den Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartnern Reaktionen aus und weckte Erinnerungen. Das gab mir die Möglichkeit, das Bild aus unterschiedlichen Sichtweisen zu betrachten und somit meine eigenen Codierungen zu hinterfragen.
Das Jahrhundert der Chirugen
Different locations.
Das Jahrhundert der Chirugen
Different locations.
Das Jahrhundert der Chirugen
Different locations.
Das Jahrhundert der Chirugen
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Data for health system comparison and assessment in the African Region: A review of 63 indicators available in international databases
Background Achieving universal health coverage in the African region requires health systems strengthening. Assessing and comparing health systems contributes to this process, but requires internationally comparable data. The European Observatory on Health Systems and Policies has produced Health Systems in Transition (HiT) reviews in Europe, Asia, North America and the Caribbean with a standardised template. This study explores data availability in international databases for the quantitative health and health system indicators in the HiT template for the WHO African region. Methods We identified ten databases which contained data for 40 of the 80 original HiT indicators and an additional 23 proxy indicators to fill some gaps. We then assessed data availability for the resulting 63 indicators by country and time, i.e. first/last year of data, years of data available overall and since 2000, and we explored for each indicator (1) against the country with the greatest availability overall and (2) against annual availability for all years since 2000. Results Overall data availability was greatest in South Africa (93.0% of possible total points) and least in South Sudan (59.5%). Since 2000, Uganda (60.4%) has had the highest data availability and South Sudan (37.2%) the lowest. By topic, data availability was the highest for health financing (91.4%; median start/end date 2000/2019) and background characteristics (88.5%; 1990/2020) and was considerably lower for health system performance (54.5%; 2000/2018) and physical and human resources (4.8%; 2004/2013). Data are available for different years in different countries, and at irregular intervals, complicating time series analysis. No data are available for service provision indicators. Conclusions Gaps in data in international databases across time, countries, and topics undermine systematic health systems comparisons and assessments, regional health systems strengthening, and efforts to achieve universal health coverage. More efforts are needed to strengthen national data collection and management and integrate national data into international databases to support cross-country assessments, peer learning, and planning. In tandem, more research is needed to understand the specific historical, cultural, administrative, and technological determinants influencing country data availability, as well as the facilitators and barriers of data sharing between countries and international databases, and the potential of new technologies to increase timeliness of data.
Dataset
Table, graphs
Dataset with information on the start-ups and founders
Mkalama, B. and Ouma, S. (2024) ‘To whom does the money go? Mapping the uneven financial geographies of venture capital in ‘Silicon Savannah’, Kenya’, Finance and Space, 1, 517–541.
Link: https://doi.org/10.1080/2833115X.2024.2418871
Mkalama, B. and Ouma, S. (2025) ‘Making Sense of Funding Inequalities in the Venture Capital Space: A State-of-the-Art Paper with Views from Africa’, Socio-Economic Review. DOI: 10.1093/ser/mwaf007
Link: https://doi.org/10.1093/ser/mwaf007


